Österreich hat die höchste Inflationsrate in gesamt Europa. Mit 1,5% Teuerung jedes Jahr brechen wir in puncto Geldvernichten den Rekord. Wie die Presse (9.12.2014) auch folgerichtig vermerkt, ist eine Geldentwertung ohne gleichzeitigem Anstieg der Wirtschaftsleistung ein klares Anzeichen für eine Umverteilung des Nominalgeldes ohne neuen Gegenwert dafür zu erzeugen. Wir finanzieren mit dem Wertverlust unserer Euros – ja, was denn eigentlich?

Quelle: Statistik Austria

Dazu hilft ein Blick auf die einzelnen Posten des „Warenkorbs“, anhand dessen die Inflation berechnet wird. Der größte Kostentreiber im Bereich persönlicher Ausgaben ist die Kommunikation. Handy und Internet wurden in den letzten 12 Monaten allein um 7,3% teurer. Auch die kleinen Vergnügungen in der Freizeit haben kräftig angezogen: Glücksspiele zum Beispiel um 5% oder das Krügel Bier um 4,7%. Auch der Erhalt des geliebten Autos des Österreichers ist um 4,5% teurer geworden. Für die lieben Kleinen sind die Kosten für Kindergarten und Schule um 2,9% gestiegen.

Was können wir aus solchen Zahlen lernen? Es sind die grundsätzlichen Ausgaben des Österreichers, die teurer geworden sind. Schuhe und Kleidung, Haushaltsgeräte, Computer, Schmuck, Motorräder und Flugtickets mögen zwar real billiger geworden sein, aber wie oft kauft man solche Dinge?

Um die Frage genauer zu formulieren: *Wer* kauft solche Dinge? Wer zu den bescheideneren Einkommensbeziehern gehört, der findet als besonders teuer geworden vor allem Dinge, die man kaum reduzieren oder gar vermeiden kann, wie zum Beispiel die Miete und Lebensversicherungen.

Wer hingegen über ein stattliches Einkommen verfügt, den tangieren solche Sorgen weniger: Zum einen konsumieren die Gutverdiener anteilsmäßig viel weniger und sparen mehr. Sie spüren die Inflation nicht so direkt. Zum anderen greifen sie eher zu Artikeln, die einer geringen Teuerung unterliegen oder gar billiger geworden sind, den Sprit für den Bentley, Kaviar und Champagner beispielsweise.

Es sind also wieder die Unter- und Mittelschicht, die die Zeche zahlen. Dröselt man die Teuerung für Konsumenten auf, so sieht man, dass 0,8%, also über die Hälfte, auf die Erhöhung von Steuern, Gebühren, Sozialversicherung und kalter Steuerprogression kommen, wie die das Wifo jüngst berechnet hat. Nicht nur, dass niemand diese Kosten vermeiden kann ohne dafür mit dem Strafrecht in Konflikt zu kommen, die Tendenz ist eine wahrlich bedrohliche: Österreich ist schon heute Abgabenkaiser, praktisch die Hälfte von jedem Euro müssen an Steuern und Gebühren abgeliefert werden. Kaum ein Land hat einen so hohen Spitzensteuersatz, der bereits bei mittleren Einkommen greift. Und durch diesen inflationären Anstieg klettert der Abgabenanteil immer weiter in die Höhe.

Und jetzt fragen wir uns natürlich: Wenn wir das alles bedenken, wie kann da ein Politiker wie Werner Faymann stolz von „Verteilungsgerechtigkeit“ sprechen und neue Steuern vertreten? Wenn Faymann meint, „wir benötigen ein hohes Steuerniveau, um auszugleichen, was die Gesellschaft nicht von selbst leisten kann”, dann meint er in Wahrheit, wir benötigen neue Steuern um das Versagen seiner Regierung zu kaschieren.

Der heutige Inflationsrekord ist ein Symptom wie mit der Teuerung die kleinsten Gehälter real geschrumpft werden und mit höheren Abgaben Budgetlöcher gestopft werden sollen. Umverteilung kann nur durch aktive Politik entstehen. Das bedeutet Veränderungen im Banken- und Börsewesen und Neuregelungen des Kapitalverkehrs in Europa. Solange es den Reichen möglich ist, über die Kapitalmärkte Gewinne auf Kosten der Allgemeinheit zu machen und solange große Vermögen steuerfrei geparkt werden können, versagen alle Steuern. Doch für solche Programme ist höchste Kompetenz und aktive internationale Politik erforderlich. Politik, die ein Gymnasialabbrecher kaum initiieren, betreiben und leiten kann. Der Abschlussbericht der HYPO-Kommission zeigt, dass Kompetenz genau jene Qualität ist, die die letzten Jahre nicht im geringsten Ausmaß in der rot-schwarzen Koalition vorhanden war. Ob das heute besser ist? Wir werden es in den kommenden Jahren in unserem Geldbörsel spüren.