Piketty und Karl Marx haben eines gemeinsam: Sie bedienen die Sehnsüchte der Bevölkerung. Die Tatsache, dass die Spaltung zwischen Arm und Reich immer größer wird, und die Privilegien der Oberschicht langsam, aber sicher die Demokratie aushebeln, bietet viel Angriffsfläche für einen emotionalen und populistischen Aufschrei danach, die Reichen zu enteignen.

Doch die Wahrheit ist, dass die von Thomas Piketty und politischen Gruppierungen so vehement geforderte neue Besteuerung der Reichen absolut nichts bewirkt. Die einfache Rechnung – Enteignung der Reichen, um ihre Kapitalrendite zu schmälern – führt letztlich zu keinen nennenswerten Steuereinnahmen und ändert nichts an der Kluft zwischen Arm und Reich, wie meine mathematischen Modelle eindrucksvoll belegen. Gleichgültig, welche politischen oder steuerlichen Rahmenbedingungen man annimmt, die Tendenz bleibt immer gleich.

Die Bildung von Eliten ist in einem System von Kapital und Zins unvermeidbar, daran können auch neue Steuern nichts verändern. Dass dies immer so war, zeigen zahllose empirische Beispiele der letzten viertausend Jahre: Es ist gleichgültig, welche Gesellschafts- oder Regierungsform versuchten, die Staatsgeschicke zu lenken. Ob Kapitalismus, Kommunismus, Monarchie oder Demokratie, stets drifteten im Laufe der Jahrzehnte Arm und Reich auseinander. Diese Entwicklung ist unvermeidbar und trotz aller Revolutionen und Versuche, diesen Verlauf zu verhindern oder umzukehren, ist es keinem Politiker, keiner Revolution und auch keinem Theoretiker je gelungen, dieses System dauerhaft zu verändern. Ebenso würde der Versuch, durch ein wenig Kleingeld die Elite zu entmachten, kolossal scheitern.