Einlagezinsen der EZBNun wird es ernst: die Deutsche Skatbank verlangt –0,25% Zinsen auf jederzeit fälliges Geld. Das Minus vor der Zahl ist richtig, Sie bezahlen, wenn Sie dort Geld anlegen! Und wie Asoka Wöhrmann, Manager der Deutschen Bank, dem Spiegel gegenüber meint, träfe das wohl bald auf Privatkunden vieler Banken zu. Damit müssen wir dann endgültig in die Tasche greifen, wenn wir Geld bei Banken anlegen wollen.

Bevor wir jedoch in Hysterie verfallen und beginnen Münzsäcke hinten im Garten zu vergraben, noch zwei Gedanken zu dieser, für die meisten von uns ungewöhnlichen Situation. Zum einen leben wir schon immer mit realen Negativzinsen. Wer die Entwicklung der Inflation mit jener der Verzinsung vergleicht, sieht dies auch rasch: Zinserträge liegen (fast) immer unterhalb der Inflation. Real wurde unser Geld auf dem Sparbuch also immer schon weniger.

Bevor sich jetzt einige von uns trösten, dass sie ohnedies über 1% Zinsen ausverhandelt haben, und damit über der offiziellen Inflation liegen: Die persönliche Inflation, die jeder von uns beim täglichen Einkauf erlebt, liegt weit von den offiziellen Angaben entfernt. Tatsächlich müssen kleine Leute, deren Ausgaben sich hauptsächlich um Miete, Heizkosten und Lebensmittel drehen und die nicht die Vorteile billiger Neuwagen oder Computersysteme einstreifen können, mit einer wesentlich höheren Teuerung leben. 5% jährliche Geldentwertung ist eher der Bereich, den ein kleiner Haushalt hinnehmen muss. Manche sprechen sogar von 7% oder 10%. Da spielt es wohl keine Rolle mehr, ob man jetzt +0,25% oder –0,25% bekommt, das Ersparte halbiert sich alle zwanzig Jahre.

Der andere Aspekt ist aber, dass natürlich Banken darüber nachdenken, ob ihr Geschäft für den Privatanleger noch interessant ist, wenn dieser besser fährt, sein Geld zu Hause zu horten. Die EZB hat schon länger ihren Einlagenzins für das Zwischenbankengeschäft ins Negative gedreht. Das mag bei kühl rechnenden Bankmanagern, die ohnedies ihre Milliarden nicht vergraben können, funktionieren. Dem Privaten bieten sich jedoch viele Alternativen, was er mit seinen kleinen Sparbeträgen machen kann.

Was keine Bank will, ist dass sie in einen Liquiditätsmangel rutscht, weil niemand mehr Geld auf ihren Konten anlegt und alle zur Diskontbank ums Eck laufen. Das mag jetzt etwas drastisch klingen, aber letztlich werden solche Ängste, die – nicht für ihren Mut bekannten – Führungskräfte unserer Banken von Negativzinsen abhalten.

Was ganz sicher auch nicht passieren wird, ist, dass der „Savings Glut“, also die Sparschwemme, durch Negativzinsen gebremst wird und das Geld munter in Unternehmen investiert wird. Solange die Rahmenbedingungen nicht Grund zum Optimismus geben und jede zweite Schlagzeile im Wirtschaftsteil Ihrer Zeitung „Depression“, „Rezession“ und „Krise“ lautet, wird kaum Sparvermögen in die Wirtschaft fließen.

Die von manchen vielleicht als mental retardiert bezeichnete Aktion einiger Banken, ihre Kunden (auch) nominell zu enteignen, wird wohl dazu führen, dass kein anderer Lemming nachläuft und die übereifrigen Banker der Skatbank allein ins kalte Meer des Bank Run stürzen. Denn weniger als nichts gibt es nicht und wenn der Volksmund glaubt, dass Null Zinsen das Minimum sind, dann ist das so. Und daran müssen sich auch die Vorstände unserer Banken gewöhnen.

Elmar Weixlbaumer
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