Schluss mit Bargeld! Wozu noch das primitive Münzengeklimpere? Wozu das Geraschel mit Scheinen, wozu das Gefummel mit Bargeld an der Supermarktkasse, wenn sich doch ohnedies bereits berührungslos mit NFC-Karten bezahlen lässt? Die Antwort ist klar und eindeutig: Das Ende des Bargelds ist überfällig und führende Ökonomen fordern dies nun auch öffentlich, vehement und vielleicht auch wirksam.

Erschreckt Sie das? Das hoffe ich, denn dieseBillionaires Club - Arm und Reich Ideen sind der letzte Schritt zur Abkoppelung der Elite vom Mittelstand und den weniger Privilegierten. Was zuletzt US-Ökonom Kenneth Rogoff bei einer Veranstaltung des Ifo-instituts in München gefordert hat, hat für breite Schichten der Bevölkerung fatale Auswirkungen.

Die offensichtlichste Auswirkung einer Abschaffung von Bargeld ist wohl die Möglichkeit der Verhängung von Strafzinsen für Sparvermögen. Solange es Bargeld gibt, das wir alternativ auch im Kopfkissen horten oder im Garten vergraben könnten, sind Banken gehindert negative Zinsen zu verlangen. Wir eiern zwar bei 0.25, vielleicht 0.125 oder bei 0.0625% herum, aber die magische Grenze 0 wagten bisher nur Commerzbank und Skatbank gegenüber Großkunden zu unterschreiten. Ganz klar, wenn ich für mein Erspartes zahlen muss, dann wandert mein Erspartes als Bargeld eben ins Küchenregal oder in den Banktresor.

Unabhängig von der realen Verzinsung, die für kleine Beträge immer negativ sein wird, ist eine negative nominelle Verzinsung für Konsumenten unattraktiv. Der einzige Ausweg für Banken ist die Abschaffung des Bargelds.

Ein anderer Aspekt eines Cashfree-Desasters ist die absolute Kontrollierbarkeit von Geld. Das Feigenblatt der Befürworter einer bargeldlosen Gesellschaft ist stets die nebulöse „Mafia“, was immer damit gemeint sein soll. Doch in der Realität geht es darum, dass jeder Bürger mal ein Trinkgeld gibt, mal eine Putze schwarz bezahlt, mal eine Nachhilfe fürs Kind engagiert etc. All dies gehörte ohne Bargeld der Vergangenheit an. Ohne Cash – also elektronisch dokumentiert und nachvollziehbar – kostet die Nachhilfestunde der lieben Kleinen 15 Euro + Umsatzsteuer + anteilig Sozialversicherung + anteilig Einkommenssteuer des Nachhilfelehrers. Da landen wir schnell bei 50 bis 80 Euro für die Stunde. Das ist der Betrag, den auch ein Handwerker aus genau diesen Gründen verrechnen muss. Wer sich dann noch private Nachhilfe leisten kann?

Was jedoch nicht ganz so offensichtlich ist: Die Schere zwischen der individuellen Inflation jedes Bürgers und den möglichen Zinsen wird krass. Wenn manche Autoren davon schreiben, dass die Inflation für einfache Menschen bereits bei über 7% liegt – der Warenkorb dieser Menschen unterscheidet sich gravierend von der offiziellen Destatis-Inflation – dann kann die Geldvernichtung ohne Bargeld beliebig nach unten ausgedehnt werden. Kriegen wir heute cirka 0% auf’s Ersparte und leben mit 7% Inflation, so wären ohne Bargeld durchaus auch -5% Zinsen denkbar, also –12% Geldentwertung jedes Jahr.

Lassen wir uns das auf der Zunge zergehen: Während die Inflation der Oberschicht zwischen 0–1% liegt, diese aber weit über 5% Verzinsung durch ihre Vermögensverwaltungen, Offshore-Konten und Steuerparadiese lukrieren, würde die Abschaffung des Bargeldes jede Hemmschwelle der Banken zu Fall bringen und kleinere Guthaben brutal durch Negativzinsen enteignen.

Aber der Gedanke ist konsistent: Die großen Vermögen nähern sich immer schneller der Billionen-Grenze – auf dem Papier. Die einzige Horrorvorstellung dieser Superreichen ist, dass sie irgendwann auf die Idee kommen ihr Geld zu beheben – und es ist zu wenig da.

Daher ist nur logisch, dass Stimmung gemacht werden muss, Bargeld als Hindernis für diesen Reichtum auszuschalten. Stellen wir uns dem entgegen, solange wir noch können!